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Über uns

Der Vagabundenkongress 2020 wird von Unter Druck - Kultur von der Strasse e. V. in Zusammenarbeit mit den vereinseigenen Projekten Czentrifuga (Siebdruckwerkstatt) und Unter Druck (Wohnungslosentagesstätte) organisiert. Unser Verein ist seit 25 Jahren in der Obdachlosenhilfe tätig. Neben klassischen Angeboten wie Sozialberatung und Notversorgung liegt unser Schwerpunkt in der ehrenamtlichen Kulturarbeit mit den Betroffenen. Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit Betroffene haben keine Lobby. Ihre sozialen Menschenrechte werden selten vertreten. Über die Abweichung von gesellschaftlichen Normzuständen und den Umgang damit wird wenig Positives berichtet. Stigmatisierung ist eher alltäglich. Der Erfahrungsaustausch und das Sprechen über die eigene Lebenswelt haben aktuell wenig bis gar keinen Raum. Der Vagabundenkongress 2020 bündelt, präsentiert und dokumentiert die Aktivitäten im Projektzeitraum, ist Treffpunkt und Austausch von und für Betroffene, bietet Bühne für den künstlerischen Ausdruck der verschiedenen Lebenswelten Betroffener und lädt die Öffentlichkeit ein, daran teilzunehmen. Dieser fast 3jährige Prozess beinhaltet den Aufbau einer Ideenwerkstatt und einer Betroffenenvertretung, die Etablierung der Zeit- und Streitschrift, dem Lancieren einer Kongress-Kampagne mit eigens produzierten Propaganda- und Kommunikationsmitteln und der Planung und Durchführung des Vagabundenkongresses 2020. Über mobile Netzwerkarbeit erreichen wir neben den Besucher*innen der Wohnungslosentagesstätte auch Menschen, die aus dem Hilfesystem herausgefallen sind und wir kooperieren mit anderen Initiativen und Wohnungsloseneinrichtungen. Partizipativer Schwerpunkt soll die regelmäßig erscheinende Zeit- und Streitschrift werden, die sich mit Themen rund um Wohnungslosigkeit in Bild und Text künstlerisch auseinandersetzt und als Sprachrohr der Kampagne für den Vagabundenkongress 2020 dient.

Unter Druck - Kultur von der Straße e.V. ist ein gemeinnütziger Verein der seit 25 Jahren in der Obdachlosenhilfe tätig ist. Entstanden aus einem Theaterstück mit Obdachlosen liegt neben klassischen Angeboten wie der Sozialberatung und Notversorgung noch heute der Schwerpunkt auf der Kulturarbeit mit Betroffenen. Unter Druck e.V. ist Träger einer sozialkulturellen Wohnungslosentagesstätte im Wedding die täglich geöffnet ist und der offenen Siebdruckwerkstatt Czentrifuga , die mit Siebdruck, Musik und Performance kulturelle Teilhabe auch für Menschen in prekären Lebenslagen ermöglicht.

http://www.unter-druck.de/

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Beat meinte ich soll was schreiben.

Zunächst noch mal zum Projekt selbst, also der Idee dahinter. Der Text, den man oben lesen kann ist eine leicht veränderte Form des Antragstextes für die Förderung bei Aktion Mensch. Hier handelt es sich um eine ziemlich dichte Konzeptbeschreibung, die versucht auch mit Schlüsselbegriffen aus der Sozialen Arbeit zu beschreiben und irgendwie auch eine Haltung auszudrücken.

Wir wollen in den nun verbleibenden 32 Monaten kleinklein mit den Menschen im Wohnungslosentreffpunkt, die den Laden schmeißen, gemeinsam versuchen Wege zu finden, wie wir es schaffen können, für uns und für diejenigen, die den Treffpunkt besuchen was aufzubauen, das Dinge selbstorganisiert möglich werden, die bis jetzt nicht möglich schienen, gescheitert sind, noch nie gedacht wurden oder weggefallen sind. Es reicht aber nicht aus, darüber zu sprechen und zu reflektieren, sondern auch zu machen. Also z.B. einerseits wie wollen wir miteinander im Laden im Alltag tatsächlich umgehen, was bedeutet es Entscheidungen gemeinsam zu treffen oder wie kann es gelingen, die eigene Situation zu verändern und sich solidarisch mit den anderen Erfahrungen auseinandersetzen. Und z.B. andererseits über die Streit- und Zeitschrift und die Kampagnenwochen Aktionen gemeinsam planen und durchführen, Propagandamaterial herstellen, die Teamsitzung bei Unter Druck mit einbinden oder uns mit einbinden und den Blog als öffentliches Tool benutzen um aufzuzeigen wo wir jeweils stehen, was wir gemacht haben und wollen und was andere dazu denken, dazu schreiben oder für Ideen dazu haben. Eine wesentliche und eine schwere Herausforderung wird es werden wohnungslose Menschen, die auf der Straße leben und die regelmäßig zu Unter Druck kommen, zu ermutigen mitzumachen.  Wenn wir das schaffen oder auch nicht, dann wollen wir auf die Straße gehen und anderen wohnungslosen Menschen von unseren Ideen erzählen, mit ihnen ins Gespräch kommen. Wir wollen uns auch mit anderen Treffpunkten und Initiativen vernetzen und alle die Lust haben sich an einer bestimmten Stelle zu beteiligen und sichtbar zu werden, können mitmachen. Und am Ende des Projekts soll es den Kongress geben. Dort wollen wir den Prozess und alles was entstanden ist oder spontan entstehen kann zeigen bzw. aufführen und gemeinsam mit denen die an diesem Kongress teilnehmen wollen und die bereits dabei sind, weiterdenken.

Für mich persönlich bedeutet das Projekt, dass mir die Möglichkeit eingeräumt wird etwas konkret werden zu lassen, was mich schon lange Zeit beschäftigt. Das hat was mit Armut und Reichtum zu tun, mit Privilegien, Solidarität, mit politischer Aktion und künstlerischer Umsetzung, mit Übersetzung von Theorie in Praxis und in der Hoffnung, dass wir was verändern können. Mehr zu erfahren über das Leben auf der Straße oder in Unterkünften, über die Sorgen und Konflikte aber auch über ein besseres Leben im vermeintlich schlechten Leben. Ich habe Diskriminierungserfahrungen gemacht, die mal mehr oder weniger schlimm für mich waren, immer auch in Bezug zu meinem subjektiven Erleben und meinem in der Welt sein  , im Hinblick auf meinen Körper den ich bewohne und die gesellschaftlichen Normalitäten und bestimmt auch strukturelle Bedingungen. Hierbei ist es mir wichtig auch über meine Privilegien zu reflektieren und mir Gedanken zu machen wie ich die nutzen kann andere zu unterstützen die Stimme zu erheben, seine/ihre* Meinung zu vertreten, Sachen anzugehen und sich nicht entmutigen zu lassen. Über die Czentrifuga habe ich Unter Druck kennengelernt und sehe dieses Kennenlernen als eine Bereicherung für mein Leben an. Diese Bereicherung, die ich durch die Leute dort erfahren habe würde ich gerne zurückgeben, mich solidarisieren mit Menschen, die gesellschaftlich ausgegrenzt werden, die wenig bis gar keine Unterstützung erhalten und die aus jeweils spezifischen Gründen zu den Ärmsten gehören. Wie kann das sein in einem so reichen Land? Wie kann es sein, dass es nicht genügend Wohnraum gibt, dass nicht jeder* Mensch genug zum Leben hat, dass er hungrig bleibt, Gewalt erfährt und nicht weiß wie er/sie über die Runden kommt und wo er/sie* obwohl schon auf der Straße auch noch vertrieben wird. Die Abschaffung des Wohlfahrtsstaates, die neoliberale Sozial-, Arbeits-, Wirtschafts- und Wohnungsmarktpolitik und die Asylgesetzgebung grenzen aus, schaffen Hierarchien und machen einsam. An diesem Elend sollten wir uns messen lassen und hinterfragen welche Verantwortung jede*r Einzelne daran trägt. Die strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung in einer sich als demokratisch verstehenden Gesellschaft ist nicht hinnehmbar. Mir geht es dabei nicht um Identitätspolitik, um die Konstruktion eines wir gegen die. Deshalb auch der Vagabundenkongress, der vielleicht dazu beitragen kann, dass Menschen darauf aufmerksam machen was sie brauchen und was sie wollen und wie es gemeinsam erreicht werden kann. Wie können alle was vom Kuchen abbekommen, gleiche Teile, gleiche Rechte. Und soziale Menschenrechte normativ zu verankern ist das ein, sie praktisch werden zu lassen das andere - dazu muss man als Person (an)erkannt werden.  

hab grade noch nen guten satz gefunden beim ipkw: Die Utopie steckt jedenfalls wesentlich in der bestimmten Negation dessen, was bloß ist, und das dadurch, daß es sich als ein Falsches konkretisiert, immer zugleich hinweist auf das, was sein soll (Adorno in: Gespräche mit Ernst Bloch, Frankfurt am Main.1975, S. 70)

und hannah arendt apriori: das recht rechte zu haben (the right to have rights)

ich hab noch was gefunden von foucault, einem radiobeitrag von ihm auf france culture der utopische körper (1966). da gibt es ganz viel zur raum-zeit-wissen-macht: der körper ist der nullpunkt der welt, der ort an dem wege und räume sich grenzen. der körper selbst ist nirgendwo. er ist der kleine utopische kern im mittelpunkt der welt, von dem ich ausgehe, von dem aus ich träume, spreche, fantasiere, die dinge an ihrem ort wahrnehme und auch durch die grenzenlose macht, der von mir erdachten utopien negiere. mein körper gleicht dem sonnenstaat. er hat keinen ort, aber von ihm gehen alle möglichen realen oder utopischen orte wie strahlen aus.

von tanja