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Gerhard Johann Lischka das Monitorstadium (1990)*

Die »umwelt«

Ist der Standpunkt ein relativer, sollte sich das Individuum voll entfalten, denn es kann nun seinen eigenen Standpunkt bestimmen und diesen immer wieder neu positionieren. Das Individuum sollte als Subjekt kein Unterworfenes mehr sein, sondern als Selbst sich durch die anderen und mit den anderen definieren, demnach ein befreites Leben initiieren.
Zeigte und zeigt das Spiegelstadium eine Identifikation, was sieht das Subjekt oder – besser gesagt – wem begegnet das Subjekt im Monitorstadium? Im Spiegelstadium wurde die Beziehung zwischen Innenwelt und Umwelt hergestellt, wie sie heute noch der Fall ist. Doch kommt im Monitorstadium etwas Neues dazu, nämlich die bereits angesprochene Verunsicherung dessen, was die Wirklichkeit ist.

Was ist nämlich noch die Umwelt, wenn wir durch die Mediatisierung diese geradezu verdrängen, um den Images zu huldigen? Wenn die Umwelt nicht mehr primär die tatsächliche Umgebung ist, sondern die durch die Medien transformierte Umwelt als Zeichen für die Umwelt?
[...]
Somit befinden wir uns in der komplizierten Lage, nicht nur die Umwelt zu erkennen, sondern auch noch die Zeichen, die behaupten, die Umwelt zu sein. Es ist schwieriger geworden, das Leben! Zugleich hat aber jede/r die Möglichkeit, einem despotischen Zentralismus zu entkommen, indem die Medien – als Remedien verwendet – eine befreite Gemeinschaft gestalten, die das Subjekt zum Selbst befördert.

*in Kunstforum International | Band 105 | Das gequälte Quadrat

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